Helmut Kosa

Die Ansprüche der Post-Corona-Kunden und die Realität von Handel und E-Commerce driften auseinander – das zeigen aktuelle Studien eindrücklich. Rund eineinhalb Jahre Covid-19 bieten Anlass, Bilanz zu ziehen: Neun von zehn österreichischen Kunden shoppen seit Ausbruch der Pandemie gleich viel oder viel mehr im Internet als zuvor. 43 Prozent kaufen nun andere beziehungsweise weitere Produkte online, die sie davor nur in Filialen besorgt hatten. Nur 3 Prozent verzichten generell auf Webshops. Diese interessanten Ergebnisse hat die aktuelle repräsentative Studie “Post-Corona-Consumer” von TQS Research & Consulting und dem Marketing Circle Austria geliefert, für die im Juni 1.000 Österreicherinnen und Österreicher im Alter von 18 bis 65 Jahren befragt wurden.

Mit Ausnahme des geöffneten Lebensmitteleinzelhandels haben sich die Lockdowns in vielen Handelsbereichen wie ein Amazon-Förderprogramm ausgewirkt. Fast vier von fünf stationären Händlern haben eine gesunkene Kundenfrequenz verzeichnet, im Durchschnitt um 31 Prozent weniger als vor der Pandemie, wie die Handelsverband/EY-Studie “Der österreichische Handel nach 15 Monaten Pandemie” zeigt. Viele Unternehmen kämpfen ums Überleben. Wie sie das Geschäft rasch stabilisieren und Kunden anlocken können, um trotz Krise wieder zu wachsen, gehört zu den dringlichsten Fragen.

Wiener Zeitung, 23.08.2021